Völkische Bewegung in Nordostniedersachsen aktiver

Die Verbindungen zwischen völkischen Familien in den Landkreisen Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg zu rechten Akteuren sind stärker als bisher bekannt. Das berichten NDR1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen nach einer Recherche in der zumeist verdeckt agierenden Szene. In den vergangenen Jahren hätten sie sich mit allen möglichen rechten Akteur_innen besser vernetzt: von der AfD, der Neuen Rechten, der Identitären Bewegung, bis hin zur NPD, der offenen Neonaziszene und dem Rechtsterrorismus. Familienmitglieder seien auf Aufmärschen mitgelaufen, in einem Propagandafilm der Identitären Bewegung tauchten sie als Teilnehmer_innern einer „Kulturaktion“ auf. Zahlenmäßig sei die völkische Szene in der Region aber konstant geblieben.
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Protest gegen G20 Fahndung

Lüchow. Die neu gegründete Gruppierung Freundeskreis Ostheide hat gestern auf dem Lüchower Marktplatz mit Flugblättern und Plakaten ihren Unmut über die aktuelle G20-Fahndungsaktion kundgetan. Die Hamburger Polizei veröffentlichte am Montag Fotos von 104 Personen, die während des G20-Gipfels in der Hansestadt Straftaten begangen haben sollen. Den gesuchten Personen wird meist gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Brandstiftung vorgeworfen.
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Protest-Aktion

Lüchow/Dannenberg. Eigentlich sollte auf dem Straßenschild in Lüchows Innenstadt “Bleichwiese” stehen. Doch davon ist nur noch das “B” zu lesen. Der Rest ist überklebt, mit rosafarbenen Papier, auf dem “Sakine Cansiz” steht. Der Name einer 2013 ermordeten Symbolfigur der kurdischen Frauenrechtsbewegung. Eine “Kämpferin für eine gleichberechtigte Welt” heißt es in einem Schreiben, das regennass und schmutzig am Fuß des Straßenschildes liegt.
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Auch die AfD hat nun ihren Landtagswahlkandidaten für Lüchow-Dannenberg bestimmt

Eine Frau geht ins Rennen

bp Lüchow. Patricia Allgayer-Reetze heißt die Direktkandidatin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl im Oktober. Fünf Stimmberechtigte der nationalkonservativen Partei wählten sie am Donnerstagabend in Lüchow während einer Aufstellungsversammlung einstimmig. „Auch die AfD hat nun ihren Landtagswahlkandidaten für Lüchow-Dannenberg bestimmt“ weiterlesen

Kampagne der Kurve Wustrow fordert Peter Steudtners Freilassung

Wustrow. Die Kurve Wustrow will Mitte dieser Woche eine Kampagne starten, um ihren Mitarbeiter Peter Steudtner sowie neun andere Menschenrechtler und -rechtlerinnen, die seit Anfang Juli in der Türkei inhaftiert sind, freizubekommen, informierte der Geschäftsführer der Wustrower Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion, Jochen Neumann. „Kampagne der Kurve Wustrow fordert Peter Steudtners Freilassung“ weiterlesen

Organisatoren des Christopher Street Day in Salderatzen: “Viele meist ältere Leute sehen Homosexualität als Makel”

Salderatzen. Die Symbolik wirkte wie eine fast zu plumpe Choreographie: Mit einer riesigen und vielen kleineren und ganz kleinen Regenbogenfahnen im Gegensatz zum grauen Dauerregentag zogen rund 150 Menschen am Sonnabendnachmittag zum Christopher Street Day (CSD) durch die Feldmark bei Salderatzen. „Organisatoren des Christopher Street Day in Salderatzen: “Viele meist ältere Leute sehen Homosexualität als Makel”“ weiterlesen

Kreuze sichergestellt

Salzwedel. Die Polizei hat mehrere schwarze Holzkreuze sichergestellt: Unter anderem in Salzwedel fanden die Beamten die Kreuze, die von Menschen aus dem rechten Spektrum stammen sollen. Auf den Kreuzen stehen Namen von angeblich gewaltsam getöteten Menschen. Die Polizei prüft sie nun auf strafrechtliche Relevanz. Bundesweit begehen Rechtsextremisten seit 2014 einen ganz eigenen Volkstrauertag, an dem sie “Opfern von Ausländergewalt” gedenken.

gefunden: EJZ, 18.7.2017 „Kreuze sichergestellt“ weiterlesen

Afghanischen Flüchtlinge in Lüchow-Dannenberg droht Abschiebung

154-mal Leben im Nebel

bp Lüchow. In Deutschland droht ihm die Abschiebung, in Afghanistan die Hinrichtung. Nur glauben die Behörden dem Familienvater das nicht. Er lebt mit seiner Familie irgendwo in einer Lüchow-Dannenberger Wohnung. „Afghanischen Flüchtlinge in Lüchow-Dannenberg droht Abschiebung“ weiterlesen

Nazis tanzen in der Scheune

Nazis tanzen in der Scheune

Familienbande Die rechte Szene im Wendland und in der Lüneburger Heide ist in den Händen von wenigen einflussreichen Großfamilien. Oft sind es eher Alt- als Neonazis

von Andreas Speit
und Andrea Röpke

Der Hof liegt im Wald. Ein kleiner Weg führt zu dem Anwesen von Ernst-Friedrich Kühl. Zu dem Brauchtumsfest in der Scheune reisen vor allem junge Familien an. Das Fest findet hier in der abgelegenen Lüneburger Heide ganz offen statt. „Maitanz“ steht auf einem Schild an der Straße hinter dem Elbe-Seitenkanal. Auch neue Familien sollen das völkische Event erreichen können.

Gut vier Monate ist das Tanzfest für geladene Gäste auf dem Slohhof in Edendorf mittlerweile her, aber es hat eine Debatte über rechte Siedler auf dem Land entfacht, die seither schwelt. Seit Jahren dient die Scheune völkischen Rechten als Veranstaltungsort. Die einladende Familie Hanke gehört zu den vielen rechten Familien in der Region. Das Fest schreckte Anwohner in den umliegenden Gemeinden auf, weil die Gäste aus verschiedenen rechten Spektren, teils auch aus weit entfernten Bundesländern, kamen. „Ein großes Netzwerk offenbarte sich“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, aus Angst vor Anfeindungen. Im Ländlichen, im Dörflichen kennt man sich – und trifft sich schnell.
Schick einer Zeitreise

Am jenem 30. April trafen nach und nach rund 200 Gäste zum Maitanz ein. Sie kamen aus Hessen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, der Schweiz und vor allem aus Niedersachsen. Mädchen und Jungen stiegen aus den Fahrzeugen, Kinderwagen wurden hinausgehievt.

Der Schick der Ankommenden erweckte den Eindruck einer Zeitreise. Die Männer und Jungen trugen meist Trachtjacken oder –westen, die Frauen und Mädchen immer lange Kleider und Röcke. Die Männer und Jungs hatten zünftige Kurzhaarschnitte, die Frauen und Mädchen straffe Zöpfen. Keine Frau trug eine Hose oder hatte einen Kurzhaarschnitt. In Weidenkörben trugen Männer und Frauen Essen und Blumen in die Scheune. Mehrere Musiker brachten für den Abend Akkordeons und weitere Instrumente in das Gebäude. Bis zum Morgen sollte getanzt werden.

Der Ort für den Maitanz war nicht zufällig gewählt. So hatte etwa ganz in der Nähe, in Bienenbüttel, der 2008 verstorbene Apotheker Wolfgang Fachmann seine „Mohren Apotheke“ mit Runen im Gebälk. Kaum einer störte sich daran – wie auch die Brauchtumsfeiern mit Tanz kein Aufsehen erregten, zu denen auch Fachmanns Kinder mit ihren Familien kamen.

1987 bekam Fachmann Ärger mit dem regionalen Apothekerverband, als er eine Anzeige zum Todestag des Adolf-Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß brachte. Der Apotheker war auch Referent bei den Hetendorfer Tagungswochen von Jürgen Riegers Nazizentrum „Hetendorf Nummer 13“, das 1998 verboten wurde. Der Nazi-Anwalt Jürgen Rieger, 2009 gestorben, hatte auf dem Gelände in der Lüneburger Heide Jahrzehnte lang Schulungen ausgerichtet.
Hüterin des Stammbaums

Stolz berichtete die Dirndl-Liebhaberin, ihre politische Weltsicht an ihre inzwischen erwachsenen Kinder weitergegeben zu haben. Alle vier seien mit ihren Familien im „nationalen Lager“, berichtete die Großmutter, die sich bei Schulungen besonders für die „Reinhaltung“ des Blutes einsetzt

Es sind immer die Familien, die die Traditionen im Wendland und anderswo pflegen. Die Schröders aus Masendorf etwa, das gar nicht weit von Edendorf und von Bienenbüttel entfernt liegt, haben einen Stammbaum im Wohnzimmer. Das weibliche Oberhaupt, Irmhild, wacht darüber – ganz im Geiste ihrer Mutter Edda Schmidt, einer der einflussreichsten Frauen in der NPD. In der Szene gilt Schmidt als Expertin für die „ureigenen Brauchtümer“.

In der NPD-Monatszeitung Deutsche Stimme, für die die Baden-Württembergerin Edda Schmidt regelmäßig über Feste und Bräuche schreibt, legte sie im September 2010 grundsätzlich dar: „In unseren Festen ist trotz der Überfremdung die Weltanschauung des nordischen Menschen im Kern erhalten geblieben.“

Stolz berichtete die Dirndl-Liebhaberin, ihre politische Weltsicht an ihre inzwischen erwachsenen Kinder weitergegeben zu haben. Alle vier seien mit ihren Familien im „nationalen Lager“, berichtete die Großmutter, die sich bei Schulungen besonders für die „Reinhaltung“ des Blutes einsetzt.

Ihre Tochter Irmhild gilt intern als „Dreihundertprozentige“, die auch ihre Kinder im elitär rechten Geiste erziehen soll. Bei Schröders in Masendorf soll es ein Herrenzimmer geben, das Frauen nicht betreten dürfen. Das Familienoberhaupt ist Lehrer an einer Schule im Wendland.

Mit der Familie Hanke, die zum Maitanz auf dem Slohhof einlädt, verwandt ist die Familie Meyer-Sande aus Hohnsdorf in Sachsen-Anhalt. In völkischen Kreisen wird gerne untereinander geheiratet. In Hohnsdorf grenzt Meyer-Sandes Grundstück an den Wald. Die Auffahrt des Hofes ziert gut sichtbar ein Feldstein mit Wolfsrune, dem Symbol der verbotenen „Wiking-Jugend“. Daneben steht ein Schild gegen den Bau der geplanten Autobahn 39, die am Dorf vorbei führen soll.

Im Zuge der Ermittlungen gegen die 2009 verbotene „Heimattreue Deutsche Jugend“ durchsuchten Beamte das Anwesen, fanden damals eine Waffe. Eine Tochter zählte zur NPD-Jugend, auf dem weitläufigen Anwesen gab es ein rechtes Zeltlager mit Fanfaren. Die Sippe gilt als elitär und arrogant, sie lebt alte Rollenmuster ihrer Vorfahren.

Es ist ein Milieu, in dem die Frauen Mütterkreise bilden, um die Kinder vor liberaler Erziehung im vermeintlichen 68er-Geist zu schützen. Die Männer kommen zu Herrenabenden, Holzhacken oder Sportwettstreiten zusammen, die Frauen haben dabei nichts zu suchen. Vor allem von den jungen Männern wird Stärke und Mannestum erwartet, erzählt einer, der dabei war.

Auch durch den kleinen Ort Masendorf marschierte schon der „Sturmvogel“, ein Bund, zu dem völkische und NPD-nahe Familien ihre Kinder schicken. „Der Sturmvogel ist eine radikale Abspaltung der Wiking-Jugend“, sagt Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam, das sich auch mit Antisemitismus befasst. Die Organisation bemüht sich sehr, im Geheimen Lager und Fahrten für Kinder und Jugendliche auszurichten. In einem Flugblatt heißt es, die Mitglieder seien „volkstreu eingestellte Deutsche“. Ziel des „Sturmvogel“ sei es, dem „Ungeist, der unserem Volk derzeit jeden Atemzug verpestet“ entgegenzuwirken

Auch beim diesjährigen Maitanz sind Anhänger des Bundes dabei. Beim Rundtanz wirkte der NPD-Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Köster, etwas steif. Bis vor Kurzem saß er für die Partei im Landtag.
Körperliche Abhärtung

Vor Jahren tanzten in der Scheune auch Baldur und Antje B. mit ihrer kleinen Tochter Sighild. 2009 starb die vierjährige Diabetikerin qualvoll, weil ihre Eltern ihr nicht ausreichend Insulin verabreicht hatten. Antje B. besuchte die Germanische Neue Medizin-Kreise von Irmhild Schröder in Masendorf, hieß es damals vor Gericht. Der Gedanke dahinter: Schulmedizin ist abzulehnen, der Körper muss abgehärtet werden.

Sighild schaffte es nicht ohne Medikamente, heute steht ihr kleiner Findling auf der „Ahnenstätte Conneforde“ in Ostfriesland.

Taz vom 17.9.2016
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